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Netzjargon: m9, ㅠ und A7mad

25.09.2015 ::: Neue Wortschöpfungen, Kürzel und Emoticons haben mittlerweile die ganze Welt erobert. Dabei hat jedes Land seinen ganz eigenen Netzjargon entwickelt.


Japan - kreative Recycling-Mix-Sprache

Pakupaku… so klingt es, wenn der gefräßige Pixelkopf Pac-Man den Mund öffnet und schließt, um die gelben Pillen zu fressen. Ebenso begierig verleibt sich die japanische Sprache Wörter anderer Sprachen ein – und das nicht erst seit Atari und Co. Beiträge in sozialen Netzwerken, wie etwa dem japanischen Facebook-Pendant Mixi, und Handynachrichten sind gespickt mit Lehnwörtern aus dem Englischen. So hat sich die verbalisierte Form der Suchmaschinenbezeichnung „Google“ als eins der meistgebrauchten Slang-Begriffe im Japanischen etabliert: guguruググるlautet das japanische Wort für „googeln“. Lange englische Bezeichnungen werden bei der Übernahme auf rein Japanisch anmutende zwei- oder dreisilbige Wörter verkürzt. Beispielsweise ist aus dem englischen personal computer das Wort pasokonパソコンund aus Thread schlichtweg sureスレgeworden.

Onlinekommunikation bietet dem japanischen Jungvolk darüber hinaus eine Plattform, kreativ mit der eigenen Sprache umzugehen. Dabei kommt es teilweise zu kuriosen Halbsätzen sowie Satz- oder Wortabkürzungen, häufig in Form von lateinischen Buchstaben, wie z. B. mjk als Shorty von maji desu kaマジですか (= Im Ernst?!). Ursprünglich wurde im Netz das Kanji 笑 für Lachen benutzt, dieses wird wara(u) ausgesprochen, weshalb als japanische Entsprechung für LOL mittlerweile einfach ein oder mehrere w geschrieben werden. Die in Japan beliebten lautmalerischen Wörter werden wie bei gdgd für gudaguda  グダグダ (= lustlos) häufig auf ihre Konsonanten reduziert.   

Auch der Gebrauch von Zahlen als Code für bestimmte Gesten findet sich in nahezu jedem Chat. So steht die Zahlenkombination 4649 für die Bitte yoroshikuよろしく. Hier wird die phonetische Realisierung der Zahlen zugrunde gelegt: 4 = yo(n), 6 = ro(ku), 4 = shi, 9 = k(y)u. Dass Japaner jede Art von Buchstaben und Schriftzeichen gern als gestalterische Elemente verwenden, zeigt der häufige Einsatz von sogenannten Kaomojis (dt. Gesichtsschriftzeichen), ((^_^) entspricht unserem Smiley :-)) und Emojis (Bildzeichen). So stellt beispielsweise die Buchstabenkombination orz ein niederkniendes Männchen dar (o = Kopf, r = Rumpf; z = angewinkelte Beine), um eine tiefe Verbeugung auszudrücken.

Sprachpuristen mögen all diese Reduktionsphänome als Sprachverunstaltung betrachten, aufgeschlossene Beobachter hingegen sehen in dieser Art von „Recycling-Mix-Sprache“ eine kreative Leistung und sprachlich-kulturelle Bereicherung. Also dann: ノシ (lies: noshi) = Bye-bye (Zeichen sehen aus wie winkende Hände)  


Korea - Emoticons für Politessen

Häufiger als lateinische Buchstaben verwenden Koreaner im Netz koreanische Buchstaben: ㅋ (k für Kaputt-Lachen, viele ㅋ für lautes Kaputt-Lachen), ㅎ (h für Lachen, viele ㅎ für lautes Lachen), ㅜ (u für Weinen), ㅠ (yu für Heulen), und davon abgeleitet das Emoticon ㅜ_ㅜ (weinendes Gesicht) bzw. ㅠ_ㅠ (heulendes Gesicht). Selbstverständlich werden die koreanischen Buchstaben auch als Symbole eingesetzt. So steht ㅅ (s) für ein niedliches Näschen und ㅗ (o) für den Stinkefinger.
Mit den Anfangsbuchstaben jeder Silbe kürzt der Insider koreanische oder englische Wörter ab: ㄱㄱ (g + g = go go / let’s go), ㅂㅂ (b + b = bye bye), ㅇㅋ (vokalischer Anlaut + k = okay), ㅎㅇ (h + vokalischer Anlaut = hi), ㄱㅊ (g + ch für passt schon = 괜찮아 gwaenchana, ㅅㄱ (s + g für hau rein = 수고해라 sugo-haera) und ㅊㅋ (ch + k für Herzlichen Glückwunsch = 축하합니다 chuka-hamnida).
Von K-Pop-Fans im Internet geschmiedet wurde der Ausdruck bagel-girl. Ba-gel steht für baby-face – glamorous body, gemeint ist der auch in Korea als unnatürlich empfundene Gegensatz zwischen dem perfekt durchgestylten, erwachsen wirkenden Körper einer Sängerin oder Schauspielerin, und ihrem Kleinkindgesicht mit großen, runden, lachenden Augen und niedlichen Grübchen. Der Hang von (auch erwachsenen) Frauen, sich selbst als niedlich-kindliches Wesen darzustellen, beherrscht auch die kakaotalk-messages (das koreanische Whats-App-Pendant). Neben vielen Emoticons, Abkürzungen und Kakao-Talk-Stickern sind es besonders die Veränderungen bei den Verbal-Endungen, die sofort ins Auge fallen. Bei „Guten Tag!“ wird die unter Gleichaltrigen höfliche Endung -yo wie in 안녕하세요 (annyeong-haseyo) erst zu -yeo (안녕하세여, kein geschlossenes, sondern ein offenes o am Ende) verändert, dann verniedlicht zu 안녕하세영 (annyeong-haseyeong), aber auch ohne Umweg direkt zu 안녕하세용 (annyeong-haseyong).
Daneben gibt es eine interessante andere Tendenz: Die stocksteife Endung음 bzw. ㅁ, fast schon ausgestorben als typisches Kennzeichen amtlicher Verlautbarungen und Lexikon-Einträgen, erlebt im Netzjargon ihr Revival. So wird aus der Anrede eines weiblichen K-Pop-Fans für ihren männlichen Star ein 오빠얌 (oppa-yam) statt 오빠야 (oppa-ya), und für ein „Haste schon was gegessen?“ aus 밥먹었어요 (bammeogeosseoyo) ein 밥먹었어욤 (bammeogeosseoyom). Und auch das anarchische „Schreiben wie man‘s spricht“, bis in die 1930er Jahre hinein gängige Praxis in Korea, hat sich beim Schreiben von Kurznachrichten wieder durchgesetzt, zusammen mit einer Vereinfachung der Vokale. 조아 (gut)! 갠차나 (passt schon)!
Netzjargon im Alltag? Aber natürlich! Parkplätze sind in Korea Mangelware, also druckt man sich im kakaotalk-Stil geschriebene und mit Emoticons, Stickern und seiner Handynummer versehene Zettel für die Politessen aus, die dann beim Falschparken hinter der Windschutzscheibe gelegt werden.


Russland - russifiziert

In Russland stand die Internetsprache in den 1980er noch in den Kinderschuhen. Während in der Onlinekommunikation zunächst ein großer Teil der benutzen Termini einfach aus dem Englischen - auch in lateinischer Schreibung - übernommen wurden, setzte sehr schnell ein Prozess der "Russifizierung" der Fachausdrücke ein. Mit der zunehmenden Verbreitung von Computerspielen und sozialen Netzwerken ist dieser Netzjargon mittlerweile im digitalen Alltag der Russen nicht mehr wegzudenken.

Im russischen Web begegnen den Usern zahlreiche neue Wortschöpfungen. Diese Wortkombinationen bestehen aus Begriffen, für die es im Russischen bereits ein Äquivalent gibt und mit Lehnwörtern aus dem Englischen neu gebildet werden (z.B. коннектиться (konnektit'sja - to connect), апгрейдить (apgrejdit' - to upgrade) oder юзер (juser-user)). Aber es geht auch anders herum: компьютер (komp'juter - Computer), Интернет (Internet), онлайн (onlajn -online) und офлайн (oflajn - offline) wurden aus dem Englischen unverändert in russischer Schreibung übernommen und sind bereits so weit in die russische Sprache integriert, dass sie auch russisch dekliniert werden: работать на компьютере (rabotat' na komp'jutere - am Computer arbeiten) oder скачать из Интернета (skatschat' is Interneta - aus dem Internet herunterladen). 

Der Netzjargon ist insbesondere in den sozialen Netzwerken (соцсети – sozceti) stark verbreitet. Mindestens genau so beliebt wie Facebook (Фейсбук) und Twitter (микроблог Твиттер) sind bei den Russen die russischen Netzwerke (z.B. Одноклассники (Odnoklassniki - Klassenkameraden) oder ВКонтакте (VKontakte - In Kontakt)). Auf diesen Plattformen wimmelt es nur so von russifizierten Wortschöpfungen: Aus "icons" wird иконки (ikonki), aus "posten" постить (postit' - posten), aus "liken" лайкать (lajkat'), aus "klicken" кликать (klikat) und aus "twittern" твитнуть (tvitnut'). Äußerst amüsant ist die Tatsache, dass das @-Zeichen als собачка (sobatschka - Hündchen) bezeichnet wird. Mit ein wenig Fantasie erkennen Sie in dem Symbol doch auch eine abstrahierte Hundeschnauze, oder?


Arabischer Raum - Zahlen statt Buchstaben

Arabizi, eine Kombination aus (Arabisch) und Inklizi (Englisch), lautet das neue Zauberwort im arabischen World Wide Web. So nennt man nämlich die jüngste Form der arabischen Sprache, mit der man – vor allem in den sozialen Netzwerken – mit lateinischen Buchstaben Arabisch schreibt. Wir geben zu: Leicht war Arabisch noch nie. Aber wenn die Sprache jetzt noch in lateinischer Schrift daherkommt, wird es richtig kompliziert. Oder? Will man auf Arabizi, auch Arabeasy genannt, schreiben, gilt als Faustregel: Existiert ein arabischer Buchstabe nicht im lateinischen Alphabet, nimmt man Zahlen und Sonderzeichen zur Hilfe. Dann ist Arabizi gar nicht mehr so schwer.

Die 7 steht z.B. statt des arabischen Buchstabens ح für ein stark gehauchtes ha. Für den tief in der Kehle angesetzten Laut ayn ع benutzt man die 3, weil sie diesem Buchstaben ähnelt, setzt man dahinter einen Apostroph, ersetzt dieser den Punkt auf dem verwandten Buchstaben ghayn غ. Und natürlich benutzt man auch beim Verfassen von Nachrichten gerne eine Mischung aus arabischen, englischen  (oder im Maghreb französischen) Wörtern, wie es auch in der Alltagssprache üblich ist. 

Das Beispiel aus einer What’s App Konversation unter einigen jordanischen Schülern zeigt, wie Arabizi im digitalen Alltag verwendet wird:

ya jama3a, 3adi la ta3’aro, ya3ni yemkin 3indi 10 hisas free bil-osboo3 
يا جماعة عادي تغاروا، يمكن عندي 10 حصص
 بالأسبوع free

Tja, Leute, ist normal, dass ihr neidisch seid, ich hab so 10 Stunden frei in der Woche.  

 


China - wohl dosiert

Der Trend, im Netz mit Hilfe von Emoticons, Zeichenkombinationen und Abkürzungen zu kommunizieren, will sich in China nicht so richtig durchsetzen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass alle chinesischen Schriftzeichen denselben Platz beanspruchen und nicht weiter verkürzt werden können. 

Aber es gibt ihn doch – wenn auch nur wohldosiert: den Netzjargon. Nach dem Vorbild englischer Ausdrücke haben die Chinesen Abkürzungen erfunden, die sich an der chi­ne­sischen Aussprache orientieren und deren Bedeutung meist nur unter Chinesen bekannt ist – wie zum Beispiel die Zahl 88. Die Zahlenkombination 88 liest man auf Chinesisch bābā, was für Chinesen so ähn­lich klingt wie bye-bye. Aus diesem Grund benutzt man im chinesischen Netzjargon die 88 (oder auch 886) als Abkür­zung für bye-bye. Die Zahl 419, eigentlich four one nine (hier steht nine für night !), ist die Abkürzung für one night love bzw. one night stand.  

Was einem in chinesischen Foren, Chats und sozialen Netzwerken häufig begegnet, ist die Buchstabenkombination „BT“. BT (ausgesprochen wie im Englischen) wird im Web als Abkürzung für das chinesische (Schimpf)Wort biàntài 变态 (abnormal) verwendet. Ähnliche verhält es sich mit 2B, SB, NMB, MLGB oder MB. In diesen Schimpfwort-Kürzeln findet man ein B, das hier in englischer Aussprache den chinesischen Ausdruck für das weibliche Ge­schlechtsorgan wiedergibt. Statt des lateinischen Buchstabens B benutzt man auch das chinesische Zeichen 逼 (Bedeutung hier irrelevant; Aussprache bī), obwohl mittlerweile immer weniger Menschen noch Hem­mun­gen haben, das eigentlich gemeinte, aber meist tabuisierte Zeichen  屄 (bī) tatsächlich zu schreiben.   

 


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