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Smalltalk: Erfolgreich Einsteigen

22.02.2016 ::: Ein gekonnter Smalltalk kann ein wichtiger Erfolgsschlüssel sein – vor allem im Beruf.


Foto: fotolia (RAW Pixel)

Wer kennt ihn nicht. Den Smalltalk. Der lockere Schnack macht weder vor Geschäftsessen noch vor Parties halt. Dabei ist die Kunst des kleinen Sprechens eine nicht zu unterschätzende Kommunikationsform. Ein gekonnter Smalltalk kann ein wichtiger Erfolgsschlüssel sein – vor allem im Beruf. Allerdings ist hier Fingerspitzengefühl gefragt. Sie werden überrascht sein, welche Stolperfallen Westlern im Ausland beim Plauschen warten.

 

China: Bloss keine Produktpiraterie

Treffen Sie zum ersten Mal auf einen Geschäftspartner, empfiehlt es sich, bei der Begrüßung formell zu sein. Es gibt kaum eine peinlichere Situation, als zu leger aufzutreten und sich im Ton bzw. der gesellschaftli­chen „Stilistik“ zu ver­grei­fen. Glauben Sie nicht den immer wieder verbreiteten Unsinn, die häufigste Begrü­ßung in China sei die Frage, ob man schon gegessen habe. Es gibt diese Floskel tatsäch­lich, doch muss man wissen, wer sich ihrer bei welcher Gelegenheit bedient. Diese chinesische Wen­dung lässt sich recht gut mit dem deutschen Ausdruck „Mahlzeit!“ vergleichen. Und wer wür­de in Deutschland ein Regierungsmitglied, einen Botschaf­ter, einen wichtigen Geschäftspartner beim Antrittsbesuch allen Ernstes so grüßen?

Nicht jedes Thema ist für einen Smalltalk geeig­net. Produkt­piraterie, Kommentare zu Mao Zedong, zu den Menschenrechten oder zu gleich­ge­schlecht­lichen Be­ziehungen, Fragen oder gar wertende Kom­men­tare zu Tai­wan und zur Situation in Tibet und Xin­jiang, politische und religiöse Themen sind offenkundige Minenfelder. Die bei uns eher lockere Aus­drucks­weise über die Fähigkeiten oder Schwächen unserer Politiker ist den meisten Chinesen unangenehm, nicht nur weil sie meist nicht in der gleichen offenen Weise ihre eigenen Politi­ker kritisieren dürfen, sondern auch weil sie uns in China als Repräsentanten unseres Staates sehen und eben nicht als individuelle Meinungs­trä­ger. Die eigene Regierung im Ausland zu kri­tisieren, ziemt sich nicht, auch dann nicht, wenn man diese Personen oder Parteien selbst nicht gewählt hat.

Aktuelle Ereignisse aus der Heimat des westlichen Besuchers sind ein akzeptables Thema. Auch wenn die Runde der chinesischen Zuhörer bestimmte Dinge politisch oft anders wer­ten wird als der Westler, wird sein Bericht doch zumindest als wertvoller Infor­ma­tions­transfer gesehen, in dessen Genuss nicht jeder Einheimische kommt. Beliebte Gesprächsthemen sind die traditionellen chinesischen Feste (z.B. das Früh­lingsfest), zumal der westliche Besucher damit auch sein Interesse an der traditionsreichen chinesischen Kultur zeigt, und seine chinesischen Gesprächspartner sich bei ihren Antworten dabei auf festem Boden wissen. Man kann das The­menfeld dann erweitern, indem man die Feste des eigenen Landes vorstellt, was stets auf reges Interesse stößt.

Aktuelle Ereignisse können aber auch Fallstricke beinhalten, die der weniger mit China vertraute Be­sucher oft nicht einmal wahrnimmt, so z.B. die Hintergründe für die gewaltsamen Ausein­ander­set­zungen auf Hongkongs Straßen während des diesjährigen Frühlingsfestes. Hier ist also Vor­sicht, besser Zurückhaltung, geboten – es sei denn, Ihre chinesischen Gesprächspartner lenken das Gespräch in diese Richtung und fragen ausdrücklich nach Ihrer Meinung.

Japan: Schönes Wetter heute, nicht wahr?

In Japan haben auf persönlicher Bindung beruhende Geschäftsbeziehungen einen viel höheren Stellenwert als solche, die von rein ökonomischen und pragmatischen Faktoren abhängen. Dies beruht auf den Grundmaximen des Teamansatzes und des Strebens nach Harmonie. Aus diesem Grund investieren japanische Geschäftsleute viel Zeit und Geld in die Anbahnung und Pflege von Geschäftskontakten. Man sollte sich also bei Verhandlungen darauf einstellen, dass Japaner nie mit der Tür ins Haus fallen, sondern sich zu Beginn eines Meetings stets ausgiebig über allgemeine, scheinbar belanglose Themen unterhalten, bevor sie sich den tatsächlichen Geschäften nähern.

Der Smalltalk ist unverzichtbarer Bestandteil der Konsensfindung, der nicht als Zeitverschwendung gesehen wird, sondern der Auflockerung der Atmosphäre und dem Signalisieren gegenseitigen Interesses dient. Japaner achten dabei sehr auf Zeichen der Aufrichtigkeit und Vertrauenswürdigkeit.

Ein Paradebeispiel für konsensorientierte Gespräche sind Unterhaltungen über das Wetter. Das mag – gerade aus europäischer Sicht – geistlos und platt klingen. Dieses Thema hat jedoch den Vorteil, dass jeder eine Meinung dazu haben kann, wobei auch Wahrnehmungsunterschiede durchaus akzeptiert werden. Hinzu kommt, dass das Wetter Einfluss auf die Aktivitäten eines Menschen haben kann, was wiederum einen geschickten Schwenk zu weiteren, persönlicheren Themen wie Sport und anderen Hobbys möglich macht. Außerdem bieten sich allgemeine Konversationsthemen rund um Ihren Japanaufenthalt sowie das Gespräch über Ihr Unternehmen, aktuelles Tagesgeschehen und gemeinsame Bekannte an. Kommt das Thema Familie auf, sollte man detaillierte Fragen möglichst vermeiden, denn gerade ältere japanische Geschäftsleute überlassen gern alle häuslichen Belange ihrer Gattin und wissen womöglich nicht über Details, wie etwa das Studienfach ihrer Kinder, Bescheid. Dadurch könnten Sie Ihren Geschäftspartner in arge Verlegenheit bringen – ein absolutes No-Go!

Korea: Alles muss ein Ziel haben  

Koreaner sind wahre Meister des Smalltalks. Wer ihn nicht gut beherrscht, kommt in der Geschäftswelt nicht weit. Denn ein erfolgreicher Smalltalk stärkt die persönliche Beziehung und schafft eine vertrauensvolle Stimmung, was in Korea als wichtigste Grundlage für eine gute Zusammenarbeit und wirtschaftlichen Erfolg angesehen wird. Ein ausgedehnter Smalltalk vor und nach den eigentlichen Verhandlungen ist nicht sinnfrei, sondern äußerst zielführend!

Als Gesprächsthemen eignen sich besonders das Wetter, das Essen, Hobbys, Kleidung, Gesundheit und Familie. Das Thema Sport braucht einen konkreten Anlass, wie etwa ein wichtiges Baseballspiel zwischen rivalisierenden koreanischen Vereinen oder Spitzenspiele der Champions League. Da ein Einzelkind als potenzieller Egoist angesehen wird, ist auch die Frage nach Geschwistern durchaus gängig. Politik, Religion und allzu private Themen sind hingegen absolute No-Gos.

Ob wir es wollen oder nicht, wir werden in Korea immer als Vertreter Deutschlands angesehen. Und da koreanische Gesprächspartner ihr Ziel vor Augen haben, müssen Sie mit allem rechnen, was Koreaner über Deutschland wissen: Deutsches Bier (Weizenbier!), deutsche Autos (Benz!), beliebte touristische Ziele (Heidelberg!), begehrte deutsche Produkte (Fissler!), deutsche Bundesligaspieler (Müller!) und Koreaner, die aktuell in der Bundesliga spielen (Koo Ja-Cheol!) 

 

Arabischer Raum: Nehmen Sie sich Zeit

Im arabischen Raum hat Beziehungs- und Kontaktpflege im Geschäftsleben einen enorm hohen Stellenwert. Dementsprechend wichtig ist der richtige Smalltalk. Er schafft nämlich nicht nur eine positive Grundstimmung, sondern ist die Basis für eine positive Beziehung, sei es unter Kollegen oder mit Geschäftspartnern. Je nach Arbeitsbeziehung unterscheiden sich die Gesprächsthemen allerdings voneinander.

Bei Kollegen, die sich hierarchisch gesehen auf der gleichen Ebene befinden, bietet es sich an, über den Job zu sprechen:  In welcher Abteilung ist der Kollege tätig? Was hat er studiert? Welche Universität hat er besucht? Ähnlich passend sind die Themen Familie oder Herkunft. Vielleicht finden Sie ja auf diesem Wege Gemeinsamkeiten oder Anknüpfpunkte heraus. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, kann das Gespräch dann persönlicher werden. Vielleicht tauschen Sie zum Ende des Gesprächs ja sogar Handynummern aus – das ist allerdings eher unter Kollegen des gleichen Geschlechts üblich.  

Frauen untereinander machen gerne Komplimente über Aussehen oder Kleidung. Männer können einander nach der Gesundheit der Familie fragen, selbst wenn man sie nicht kennt. Anders als in Deutschland ist das Wetter in der Regel kein Thema in einem Smalltalk – es sei denn, es handelt sich um extreme Witterungsbedingungen (starker Regen, Schneefall oder extreme Hitze). Wenn Sie darüber hinaus noch folgende Faustregel beherzigen, kann bei einem Smalltalk im arabischen Raum kaum mehr etwas schiefgegen: Sprechen Sie niemals über Religion oder Politik. Denn das könnte beide Gesprächspartner in eine peinliche Situation bringen.  

Zeitlich gesehen entwickelt sich der vermeintliche "small" talk in den meisten Fällen übrigens eher zu einem „big“ talk. Haben Sie es bei einem Geschäftsessen im arabischen Raum also nicht zu eilig. Die Zeit für einen Smalltalk müssen Sie sich manchmal einfach nehmen, um Beziehungen zu Kollegen oder Geschäftspartnern zu pflegen.   

 

Russland: Mit Kultur und Geschichte punkten

Ein russisches Sprichwort sagt: „По одежде встречают, по уму провожают“ („Man empfängt nach dem Gewand und scheidet nach dem Verstand.“). Nehmen Sie sich dieses Sprichwort bei einer Begegnung mit Ihrem Geschäftspartner zu Herzen. Er wird nämlich großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen. In nahezu jeder Branche gelten Anzug, Hemd und Krawatte als optimale Businesskleidung. Frauen tragen in der Regel ein Kostüm.

Bei dem ersten Treffen mit Ihrem Geschäftspartner empfiehlt es sich, unbedingt die Uhrzeit im Auge zu behalten. Denn auch wenn Ihr russischer Geschäftspartner zu spät zu einem Treffen erscheint, wird von Ihnen Pünktlichkeit erwartet. Halten Sie sich außerdem bei der Begrüßung zurück. Männer reichen einer Frau nur die Hand, wenn sie Ihnen ihre Hand entgegenstreckt. Ansonsten genügt ein Kopfnicken als Begrüßungsritual. Apropos Handreichen: Die Hand sollte nicht über der Türschwelle gereicht werden. Das bringt nämlich Unglück. 

Die Atmosphäre des ersten Treffens werden Sie in der Regel als eher distanziert wahrnehmen. Das kann sich aber schon bei der zweiten Begegnung ändern. Je länger Sie die Geschäftsbeziehung pflegen, desto mehr Emotionen werden in die Geschäftsbeziehung eingebracht. Werten Sie das als Vertrauenszeichen Ihres Geschäftspartners.

Beachten Sie bei der Anrede Ihrer Gesprächspartner, dass Russen drei Namen haben: Vorname,  Vatersname (abgeleitet vom Vornamen des Vaters) und Nachname, z.B. Michail Iwanowitsch Kusnezow oder Wera Maximowna Serowa. Im Gespräch mit ausländischen Geschäftspartnern wird heute in der Regel bei neuen Kontakten die Anrede mit dem Nachnamen praktiziert: „господин Кузнецов“, „госпожа Серова“ („gospodin Kusnezow“, „gospozha Serowa“ – „Herr Kusnezow“, „Frau Serowa“). Bei längerfristigen und häufigen Kontakten ist es üblich, auf die Anrede mit Vor- und Vatersnamen überzugehen, was aber keineswegs den Wechsel vom „Sie“ zum „Du“ bedeutet.

Smalltalk kommt umso besser an, je kultivierter er verläuft. Hilfreich ist hierbei, Interesse an Russland zu zeigen. Sprechen Sie über russische Kultur oder fragen Sie nach russischer Geschichte. Themen wie die Anreise, Kinder und Familie, Technik und Wissenschaft eigenen sich ebenfalls sehr gut für einen gelungen Gesprächseinstieg. Tabuthemen sind Politik, Religion und generell Kritik an Missständen in Russland. Das Thema Wetter gilt übrigens als banal.

Obwohl das Trinken von Wodka immer seltener vorkommt, sollten Sie sich darauf einstellen, dass Ihnen zwischen den Meetings ein Glas angeboten wird. Ihr Geschäftspartner erwartet von Ihnen, dass Sie wenigstens daran nippen. Wodka abzulehnen ist ein ernsthafter Verstoß gegen die Etikette, allerdings werden Ausreden wie Gesundheit, Autofahren und Medikamenteneinnahme akzeptiert.    

 


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