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Tischsitten weltweit

19.12.2017 ::: Ein Phoenix zum Nachtisch und keine Angst vor schlechtem Wetter. Wichtige Tischmanieren auf einen Blick.


Foto: Shutterstock

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Und damit auch eine Zeit, in der viel und häufig geschlemmt wird. Wenn es um die richtigen Tischmanieren geht, bewegen wir uns zumindest in Deutschland auf sicherem Terrain. Aber wie steht es im Ausland um Ihre Tischmanieren? Welche Gesprächsthemen sind in Russland am Tisch tabu? Sollte man den Teller in China leer essen? Gehört es zum guten Ton, dem arabischen Gastgeber ein Kompliment zu machen?  

Ein Phoenix zum Nachtisch 

Wer in China schmatzt, rülpst und schlürft zeigt, dass es ihm schmeckt. Das ist ein gängiges Vorurteil, das noch aus früheren Zeiten stammt. Heute ähnelt die Tischkultur vor allem in chinesischen Städten stark der westlichen Welt. Essgeräusche aller Art gelten bei den Städtern als unfein und sind überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Anders verhält es sich mit dem Rauchen. Rauchen in der Öffentlichkeit und sogar während des Essens ist in China nach wie vor weit verbreitet. Doch auch hier - im letzten Paradies für Raucher, wie es so schön heißt - wird man immer öfter zum Qualmen vor die Tür geschickt. In großen Städten richten Restaurants sogar spezielle Raucherbereiche ein. Apropos: Wenn Sie in China ein Restaurant betreten, werden Ihnen sofort die großen, runden Esstische auffallen. An jedem Tisch finden acht Personen Platz, denn vor allem im Süden ist die acht eine Glückszahl. Die Tische sind mit einer Drehscheibe ausgestattet, auf der mehrere Speisen gleichzeitig serviert werden. Dabei gibt es eine bestimmte Reihenfolge, in der die Gerichte aufgetragen werden: Zuerst werden die kalten Gerichte gegessen, dann die warmen und zuletzt die Suppe. Obst oder Süßes gibt es, wie auch bei uns üblich und wenn überhaupt, erst zum Nachtisch. Auch wenn der praktische Drehteller dazu einlädt – drehen Sie die Speise, von der Sie sich bedienen möchten, nicht zu sich heran. Greifen Sie auch nicht quer über den Tisch, um sich eine Speise zu nehmen. Warten Sie stattdessen geduldig, bis sie vor Ihnen steht. An der Sitzordnung können Sie übrigens zu besonderen Anlässen erkennen, wer in der Runde besonders angesehen ist. Der Tisch mit den wichtigsten Gästen steht am weitesten von der Tür entfernt. Der wichtigste Gast sitzt gegenüber von der Tür.

Das Auge isst bekanntlich mit. Dieses Sprichwort wird in China besonders ernst genommen. Neben Geschmack und Konsistenz der Gerichte spielt deshalb auch die Farbe des Essens eine große Rolle. Für ein Festessen kreiert der Koch besonders schöne und komplizierte Kunstwerke, indem er Gemüsestücke durch eine spezielle Schnitztechnik in Drachen, Phönixe oder Blumen verwandelt. Prosten sich die Gäste während des Festessens zu, stößt der Rangniedere oder Jüngere sein Glas etwas unterhalb an das Glas des Ranghöheren oder Älteren. Da war ja noch die Frage nach dem berüchtigten Anstandshappen. Obwohl es in China ein Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung gibt, bleiben bei einem chinesischen Festessen viele Speisen übrig. Das liegt zum einen daran, dass der Gastgeber grundsätzlich zu viel auftischt, um Reichhaltigkeit und Fülle zu demonstrieren. Zum anderen essen die Gäste ihre Teller absichtlich nie ganz leer, um wiederum zu zeigen, dass nicht zu wenig gekocht wurde.   

Der gesunde Menschenverstand isst mit

Die gute, gesunde Küche wird in Japan sehr geschätzt. Schließlich steht sie für hohe Lebensqualität. Beim Essen – vor allem im offiziellen Rahmen – sind Sie gut beraten, wenn Sie einige wichtige Verhaltensregeln beachten. Dabei gilt stets: Wer mit Respekt vor der zubereiteten Speise und gesundem Menschenverstand agiert, kann eigentlich nichts falsch machen. Verbeugen Sie sich vor dem Essen leicht und sagen „Itadakimasu“. Dieser Ausdruck hat mit der deutschen Floskel „Guten Appetit“ wenig zu tun. Wortwörtlich bedeutet es „ich bekomme“ und soll ausdrücken, dass man die Speise dankbar entgegennimmt und so frei ist, mit dem Essen zu beginnen.

Ein Reis- oder Suppenschälchen vom Tisch in die Hand zu nehmen ist nichts Ungewöhnliches. Miso-Suppe und O-suimono (klare Brühe) werden beispielsweise direkt aus dem Schälchen getrunken. Bei Nudelsuppen wie Udon und Soba lassen sich Essens- und Schlürfgeräusche nicht ganz vermeiden. Zwar gelten diese in Japan nicht als Unsitte, trotzdem erteilt Ihnen das keine allgemeine slurp-and-burp-Lizenz. Der Umgang mit den Essstäbchen ähnelt dem westlichen Umgang mit Messer und Gabel: Vermeiden Sie, mit den Essstäbchen zu spielen, mit ihnen in der Luft herumzuwedeln oder gar damit auf Personen zu zeigen. Spießen Sie keinesfalls Speisen mit den Stäbchen auf. Vermeiden Sie es auch, Speisen von Stäbchen zu Stäbchen weiterzureichen oder die Stäbchen vertikal in den Reis zu stecken – das erinnert nämlich an das buddhistische Beerdigungsritual. Zum Ablegen der Stäbchen gibt es meist dekorative Bänkchen aus Porzellan oder Holz. Sollten Sie Speisen von einer gemeinsamen Platte auf den eigenen Teller legen, empfiehlt es sich, im offiziellen Rahmen die eigens dafür zurechtgelegten Stäbchen zu verwenden. Falls dafür keine Extra-Stäbchen vorhanden sind, drehen Sie Ihre eigenen Stäbchen einfach um und greifen Sie mit dem anderen Ende zu. Itadakimasu!

Keine Angst vor schlechtem Wetter

Deutsche sind, so denkt man in Russland, immer pünktlich, verlässlich und diszipliniert. In dem Fall eilt der Ruf dem Gast mal wieder voraus. Sind Sie in Russland zum Essen eingeladen, sollten Sie dieses Klischee aber unbedingt erfüllen, um den Gastgeber nicht zu enttäuschen und an Sympathie zu verlieren. Auch sollten Sie immer ein passendes Gastgeschenk dabei haben. Aber aufgepasst: Wer denkt, dass sich jede Frau über Blumen freut, kann in Russland schnell in die Falle tappen. Eine gerade Anzahl an Blumen verschenkt man nämlich nur im Trauerfall. Wer sich mit einem bunten Strauß für die Einladung bedanken will, sollte also vorher gut durchzählen. Mit Spirituosen oder Pralinen ist man immer auf der sicheren Seite. In Russland isst man gerne gut und üppig. Die legendäre russische Gastfreundschaft fordert, dass der Gastgeber, kaum ist der Teller leer, unablässig nachfüllt und die Gäste auffordert, doch noch einen Happen mehr zu essen. Dieser mehr oder minder sanfte Druck darf jedoch nicht als Nötigung verstanden werden, er gehört einfach zur guten Etikette. Wer wirklich satt ist, sollte daher einen kleinen Rest auf dem Teller liegen lassen. Diese Geste sagt mehr als tausend Worte. Anderenfalls könnte der Kampf um gutes Wetter – denn das folgt, wie es bei uns heißt, nun mal auf leergegessene Teller – in absolute Völlerei ausarten. Außerdem geben Sie so dem Koch zu verstehen, dass er seinen Job gut gemacht und nicht etwa zu wenig Essen zubereitet hat.

Um das Wodkatrinken kommt man in Russland meistens nicht herum. Der erste Trinkspruch ist Sache des Gastgebers. Später wird aber auch ein Toast vom Gast erwartet. Trinksprüche drehen sich dabei häufig um die Freundschaft, das Leben oder die Schönheit der Frauen. Spätestens der dritte Trinkspruch sollte auf jeden Fall den Frauen gelten. Den Gastgeber zu loben, ist selbstverständlich immer angebracht. Beim Konsumieren der klaren Flüssigkeit gilt jedoch: Bloß nicht pur trinken. Nach jedem Schluck des hochprozentigen Getränks beißen Russen in ein Stück Brot oder eins der salzig-sauren Häppchen, die zum Wodka gereicht werden. Die Tischgespräche sind in der Regel unbeschwert und humorvoll. Ernste Themen wie Krankheit, Politik oder persönliche Probleme sind hier tabu. Sprechen Sie lieber über Kunst, Literatur, Technik oder Naturwissenschaft. Da viele Russen sehr belesen sind, gewinnt derjenige an Format, der auf hohem Niveau mitplaudern kann. Wer zum Beispiel Tolstoi, Dostojewski oder Puschkin gelesen hat, genießt den Respekt der Runde. 

al-hamdu lillah ist das Zauberwort    

Auch wenn die arabischen Länder kulturell verwandt sind, so gibt es doch teilweise unterschiedliche Tisch- und Essenskulturen. Im Maghreb zum Beispiel findet man in einem städtischen Haushalt vor den Sitzbänken im Salon oft einen kniehohen Tisch, auf dem mehrere Tischdecken übereinander liegen. Findige Gäste müssen nur die Tischdecken zählen um zu sehen, wie viele Gänge sie erwarten. Auf dem Land geht es vielleicht etwas schlichter zu, man isst auf dem Boden an einem niedrigen Tisch oder man sitzt auf einem kleinen Hocker. In jedem Fall wird man aber gemeinsam von einem großen Teller essen, wobei man darauf achten sollte, nicht im fremden Revier zu wildern, zumal die Gastgeber schon dafür sorgen, dass ihr Gast immer ein besonders schönes Stück Fleisch oder Gemüse vor sich liegen hat. Geht man weiter ostwärts, so wird man je nach Gelegenheit bei einer Einladung zum Essen alle Speisen gleichzeitig auf dem Tisch finden, so dass man einen guten Überblick hat. In diesem Fall erhält natürlich jeder Gast seinen eigenen Teller.

Da man bei arabischen Speisen selten während des Essens etwas klein schneiden muss, sind die Hauptesswerkzeuge der Löffel – und das Brot. Man reißt ein Stück ab und formt es zu einer kleinen Schaufel, um damit ein Stück Fleisch oder Gemüse und gleichzeitig etwas Sauce aufzunehmen. Eine eine Mahlzeit ohne Brot ist für die arabische Kultur undenkbar. Im Nahen Osten beschränkt man sich beim Essen mit Brot oft auf Daumen, Zeige- und Mittelfinger, während man im Maghreb auch alle Finger der rechten Hand benutzt. Traditionelle Gerichte wie Couscous in Nordafrika oder Reisgerichte wie Mansaf oder Kebse im Nahen Osten ist man im Übrigen auch, indem man mit einer Hand ein Bällchen rollt, das man dann in den Mund steckt oder – wenn man geschickt ist und gut gerollt hat –in den Mund wirft. Man sollte bei einer Einladung zum Essen während der Mahlzeit unbedingt das Essen loben. Daraufhin wird der Gastgeber den Gast auffordern, doch noch etwas zu essen und ihm womöglich etwas besonders Gutes auflegen. Ist man satt und möchte wirklich nichts mehr, heißt das Zauberwort übrigens al-hamdu lillah, Dank sei Gott. Am Ende der Mahlzeit gibt es je nach Region unterschiedliche Redewendungen. Alle jedoch danken Gott und geben dem Wunsch Ausdruck, dass man auch in Zukunft bei guter Gesundheit seine Mahlzeiten miteinander teilen möge.  

 


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