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Interview mit Jörg Höhn

13.05.2019 ::: Auf Dauer geht ohne Chinesisch nichts, findet Jörg Höhn, der viele Jahre das German Centre in Peking geleitet hat. 


Als Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg unterstützt das German Centre den Markteintritt deutscher Mittelständler in China. Neben der Vermietung von Büroräumen bietet es verschiedene Beratungs- und Serviceleistungen an, von der Unterstützung bei Behördengängen bis hin zur Organisation von Sprachkursen.  

Warum Chinesisch lernen? Auf Dauer in China mit Englisch auskommen zu wollen, hält Höhn, der selbst fließend Chinesisch spricht, für keine gute Idee. „Das Verständnis von Land und Leuten ist mit Sprachkenntnissen ein anderes, und Sie vermeiden kulturelle Missverständnisse“. Nach 12 Jahren in China lebt und arbeitet Jörg Höhn heute wieder in Deutschland. Mit Thai lernt er gerade seine zweite asiatische Sprache. Wir haben ihn nach der Bedeutung von Chinesisch-Kenntnissen bei Wirtschafts-kontakten und im Alltag von Expats gefragt. 

Herr Höhn, sprechen Sie noch regelmäßig Chinesisch? 

Ich versuche es. Hier in Deutschland habe ich ein paar Freunde, mit denen ich mich unterhalten kann. Auch beruflich habe ich weiterhin regelmäßig mit China zu tun. Ich könnte mir dennoch vorstellen, nochmal einen Sprachkurs zu machen, um nicht einzurosten. Das Problem ist nur, dass es wenig Konversationskurse gibt. Was ich bräuchte, wäre themenbasierte Konversation.  

Kurse zu Sprache und Landeskunde sind eine Möglichkeit, sich auf einen beruflichen Aufenthalt im Ausland vorzubereiten. Perfekt beherrschen wird man die Landessprache damit nicht. Wie gut sollten die Sprachkenntnisse sein, um beruflich in China Fuß zu fassen?   

Wichtig ist, erst einmal eine Vertrautheit mit dem Chinesischen herzustellen, sich mit der fremdartigen Struktur der Sprache auseinanderzusetzen. Darüber findet man schnell zu dem, was ich „Survival-Chinesisch“ nennen würde: Raus aus dem Hotelzimmer und in der Lage zu sein, mit der Masse der neuartigen Eindrücke umzugehen. Menschen, Chaos, Gerüche – das alles strömt intensiv auf einen ein. Sich in einer solchen Situation orientieren und ausdrücken zu können, hilft ungemein. Mittelständische Betriebe können Ihren Mitarbeitern in der Regel nicht die gleiche Hilfestellung bieten wie große Konzerne oder der Diplomatische Dienst. Im Büro wird vielleicht Englisch gesprochen, aber im Alltag, beim Einkaufen, bei Gesprächen mit dem Vermieter etc., ist man weitestgehend auf sich gestellt oder auf die freundliche Unterstützung von Kollegen angewiesen. Das Leben in China ist so oder so ein Sprung ins kalte Wasser – mit Grundkenntnissen der Sprache haben Sie aber eine Art Seepferdchen-Abzeichen, so dass Sie zumindest etwas paddeln können. 

Haben Sie einen Rat, was man auf Chinesisch unbedingt sagen, lesen, sprechen oder schreiben können sollte? Und was konnten Sie weglassen, weil Sie es nie brauchten?

Die größte Herausforderung, die auch mir immer noch Schwierigkeiten bereitet, hat zunächst einmal gar nichts mit dem Wortschatz zu tun. Sie besteht darin, eine flüssige Satzmelodie zu entwickeln. Hat man die Anfänge erst einmal hinter sich, merkt man, dass Chinesisch eine Art Plateausprache ist. Man lernt und lernt neue Ausdrücke und nichts passiert – bis man auf einer neuen Ebene steht und plötzlich versteht, was im Fernsehen gesagt wird. Diese Sprünge kommen oft überraschend und sind schwer planbar. Insofern ist es wichtig, von Anfang an einen breiten Zugang zur Sprache zu haben. Das erwähnte „Survival-Chinesisch“ zu erlernen, ist im Übrigen auch nicht schwer, vier bis sechs Wochen Intensivunterricht reichen für eine erste Basis meist aus. Die sollte man sich unbedingt gönnen, bevor man nach China aufbricht.  

Oft hört man, dass schon Grundkenntnisse einer Sprache den Zugang zu den Menschen und zur Kultur eines Landes vereinfachen, Stichwort „soziale Akzeptanz“.Für wie wichtig halten Sie diesen Aspekt in Bezug auf China und die Chinesen?  

Für sehr wichtig. Durch die Beschäftigung mit der Sprache zeigt sich ein veritables Interesse an der Kultur des Gegenübers. Man signalisiert: ich investiere Zeit, ich bin offen, ich möchte lernen und ganz besonders wichtig – ich möchte verstehen, wie ihr denkt. Die Chinesen schätzen dieses Interesse und freuen sich, wenn Ausländer Chinesisch sprechen, vor allem, weil sie es erstmal gar nicht erwarten. 12 Jahre China hätte ich nie gemacht, wenn ich mich nicht sprachlich so sicher und wohl im Alltag gefühlt hätte, dass ich mich frei bewegen und auch Spaß mit den Leuten haben konnte. 

Wie weit kommt man in China mit Englisch? 

Grundsätzlich geht das schon. Gerade in Städten wie Peking und Shanghai kann man sich in eine solche Blase zurückziehen. Die Frage ist doch: Welchen Anspruch habe ich, wie eigenständig möchte ich sein? In vielen Situationen, auch im Alltag, wird man ohne Sprachkenntnisse auf Hilfe angewiesen bleiben. Wenn Sie die Lage richtig einschätzen wollen, dann brauchen Sie Sprachkenntnisse, um der enormen Komplexität und Faszination des Lebens in China begegnen zu können. Ich fand es immer wichtig zu wissen: In welchem Umfeld leben meine Mitarbeiter, meine Kunden, meine Lieferanten? Das Verständnis von Land und Leuten ist mit Sprachkenntnissen qualitativ ein ganz anderes und Sie vermeiden kulturelle Missverständnisse.  

Nehmen wir als Beispiel ein deutsch-chinesischen Verhandlungsgespräch. Wie verändert sich die Situation, wenn die chinesische Seite weiß, dass das deutsche Gegenüber die chinesische Seite versteht? 

Wesentlich – im Guten, wie im Schlechten. Ich würde es grundsätzlich immer vorziehen, mit einem Muttersprachler über einen Dolmetscher zu verhandeln. Zum einen, da ich selbst mit den besten Kenntnissen das Sprachniveau und die Sprachgewandtheit meines Gesprächspartners nicht erreichen werde. Zum anderen kann ich, während der Dolmetscher noch übersetzt, schon überlegen, was ich antworten möchte. Außerdem kann ich die Emotionen und Reaktionen der Gegenseite im eigenen sprachlichen Kontext viel besser einordnen. Das funktioniert natürlich in beide Richtungen – und Chinesen verhandeln generell sehr gut. Eine konkrete Situation hat mir erst kürzlich eine Freundin geschildert. Sie saß in Verhandlungen mit einer großen chinesischen Firma. Da sagte auf der Gegenseite jemand auf Chinesisch: „Wer ist das eigentlich? Hat die überhaupt eine Ahnung von China?“ Das hat sie verstanden und dann auf chinesisch erwidert: „Ich habe sechs Jahre hier gelebt, habe folgende Projekte umgesetzt und mit den und den Kunden gearbeitet. Ich denke daher schon, dass ich eine Ahnung habe, wie es hier läuft.“ Die Situation war sofort eine ganz andere, man wird gleichberechtigt behandelt und entsprechend respektiert. 

Beispiele wie dieses zeigen, wie sich die Außenwirkung durch das Beherrschen eine Sprache verändert und wie man neue Handlungsoptionen gewinnt. Wenden wir abschließend den Blick noch einmal nach Innen. Wie verändert es das eigene Denken bzw. die Wahrnehmung, wenn man sich intensiv mit einer fremden Sprache beschäftigt? 

Das hat eine enorme Wirkung. Die Beschäftigung mit den chinesischen Schriftzeichen zum Beispiel hat eine fast schon meditative Wirkung. Chinesisch zu lernen hat etwas sehr Befreiendes, vor allem, wenn man feststellt, dass man sich Sprachen auch auf eine ganz andere Art nähern kann, ohne Konjugations- und Deklinationstabellen. Wenn man wirklich ins Chinesische reinkommt, merkt man, welche vielschichtigen Feinheiten es gibt, zum Beispiel im Ausdrücken von Emotionen in den klassischen Gedichten. Und dann wird Chinesisch, wie ein Freund von mir einmal gesagt hat, die schönste Sprache der Welt.

 


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