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Giselher Dombach - Arabisch 4

„Alle Dozenten zeigen ein hohes Maß an Empathie“


Als Sicherheitsberater ist Dr. Giselher Dombach (60), CEO des Beratungsunternehmens Falkensteyn GmbH, häufig im Nahen Osten und in Nordafrika unterwegs. Mit seiner Familie hat er viele Jahre in Ägypten gelebt. Am LSI besucht er mittlerweile seinen vierten Arabisch-Kurs.

Herr Dombach, welche Arabisch-Vorkenntnisse aus Ihrer Zeit in Ägypten haben Sie mit ans LSI gebracht?  

Ich bin damals aus beruflichen Gründen nach Ägypten gegangen und habe insgesamt sieben Jahre mit meiner Frau und unseren Kindern dort gelebt. Das was ich dort gelernt habe, würde ich „Straßenarabisch“ nennen. Ich konnte mich mit Taxifahrern unterhalten, ganz einfache Gespräche führen – alles Weitere war mir nicht möglich. Meine Kinder sind in Kairo zur deutschen Schule gegangen. Die haben Arabisch auf dem Schulhof gelernt, viel schneller als ich es konnte. Mittlerweile leben wir nicht mehr dort, ich bin aber immer noch sehr häufig in der Region unterwegs.  

Sie sind mit dem ägyptischen Dialekt in Kontakt gekommen bevor Sie Hocharabisch gelernt haben?  

Ja, und das ist durchaus ein Problem, weil es in meiner Erinnerung immer wieder zurückkommt und manchmal das Hocharabische überspielt. Mein persönliches Ziel ist es, Arabisch so weit zu beherrschen, dass ich Zeitungstexte flüssig lesen kann, was für mich auch aus beruflichen Gründen wichtig ist.  

Sie arbeiten als Berater – was sind Ihre Tätigkeitsbereiche?  

Ich bin Sicherheitsberater. Wir klären die Situation in Ländern mit fragiler Sicherheitslage auf, wozu die arabische Welt nun einmal gehört. Wir fahren in die Region, sprechen mit unseren Quellen vor Ort und verschaffen uns dadurch ein Lagebild. Zu unseren Kunden zählen börsennotierte Konzerne, mittelständische Unternehmen und Hilfsorganisationen, denen wir dabei helfen, Risiken realistisch einzuschätzen und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich vor Ort bieten. Sicherheit, englisch „Security“ ist ein Ermöglicher, ein „Enabler“. Um diesen Aspekt kümmern wir uns. Das gibt den Firmen die Freiheit, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, die ja nicht im Erkunden von Safe-Houses oder Evakuierungsrouten liegen. Wir helfen den Unternehmen auch im Rahmen von zielorientierter Gesprächsführung, d.h. bei der Beschaffung benötigter Informationen.  

Wie würden Sie generell den Umfang der wirtschaftlichen Verbindungen Deutschlands in die arabische Welt einschätzen?  

Noch viel zu gering! Das wundert mich, denn Deutschland hat einen guten Ruf in der arabischen Welt und macht sich diesen Umstand viel zu wenig zu Nutze. Häufig sind Firmen zurückhaltend, wenn es darum geht, sich in Ländern zu engagieren, die zwar ein hohes wirtschaftliches Potential bieten, in denen aber die Sicherheitslage kritisch ist. Ich denke da vor allem an Libyen. Natürlich ist die Lage aktuell instabil, aber dort frühzeitig in den Startlöchern zu stehen, den Wiederaufbau voranzutreiben – da bieten sich enorme Chancen.  

Wie empfinden Sie persönlich die Lebensqualität in der arabischen Welt, beispielsweise in Ägypten?

Das muss man differenziert betrachten. Wenn man als Diplomat oder Angestellter eines großen Unternehmens dort runter geht, ist die Lebensqualität in jeder Hinsicht sehr hoch. Es ist aber auch eine Art künstliche Scheinwelt. Man lebt in Compounds, hat Bedienstete usw. Mit den Widrigkeiten des ägyptischen Lebens wird man wenig konfrontiert. Bei uns war das anders, wir haben eingebettet in die ägyptische Umwelt gelebt. Für mich, der ich immer im Arbeitsleben stand, war das relativ einfach. Meine Frau hatte mehr mit den Herausforderungen des Alltags zu kämpfen. Diese Unterschiede im Erleben der Situation können bei Familien von Expats große Spannungen erzeugen. Mitunter führt das dazu, dass einer der Partner zurück nach Deutschland geht.  

Kann man das Gefühl von Fremdheit überwinden?  

Ja, das geht. Aber man muss sich darauf einlassen. Man kann nicht erwarten, dass die Ägypter einem entgegenkommen, sondern man muss sich wirklich einstellen auf das Umfeld und auf die Kultur. Es gibt beispielsweise unterschiedliche Ansätze von Pünktlichkeit. Wenn der Handwerker sagt, ich komme „bukra“, wörtlich übersetzt „morgen“, bedeutet das nicht, dass er am nächsten Tag vor der Tür steht. Er wird irgendwann im Laufe der der nächsten 14 Tage vorbeischauen. Wenn die Toilette verstopft ist, dann ist „bukra“ doch etwas störend (lacht). Da muss man dann andere Wege finden. Eines kann ich aber absolut sagen: die Ägypter und generell die Menschen in der arabischen Welt sind ausgesprochen hilfsbereit. Man muss nur auf sie zugehen.  

Wenn Sie an die jüngeren Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer denken, denen Sie hier begegnen... da gibt es eine ganze Reihe Leute, die Arabisch nicht nur zum Spaß lernen, sondern durchaus berufliche Ambitionen damit verbinden. Sie haben durch Ihre Tätigkeit eine Menge Einblicke in diesen Bereich. Würden Sie sagen, dass das generell eine gute Idee ist?  

Auf jeden Fall! Sprachenlernen ist immer eine gute Idee. Ich sehe das bei meinen eigenen Kindern. Mein Sohn spricht fünf Sprachen. Er arbeitet im Hotelgeschäft, da ist das extrem förderlich. Arabisch halte ich für ein ganz großes Plus im Lebenslauf. In der arabischen Welt gibt es so viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Andererseits kommt die arabische Welt durch Migration auch zu uns. Und wer später mal in einer großen, internationalen Organisation arbeiten möchte, sei es im wirtschaftlichen Bereich oder bei den NGOs, der ist mit Arabisch sicher gut aufgestellt.

Noch ein Wort zum Unterricht am LSI?  

Ich habe mit den anderen Kursteilnehmern gesprochen, wir sind alle einer Meinung: Alle Dozenten, aber auch die übrigen Mitarbeiter des LSI, zeigen ein hohes Maß an Empathie. Im Unterricht wird niemand im Regen stehen gelassen. Oft werden in Lerngruppen die Schwächeren irgendwann abgehängt, das ist hier nicht der Fall. Alle werden immer wieder rangeführt, keiner bleibt zurück. Selbst wenn man etwas zigmal falsch sagt, man wird immer wieder einfühlsam korrigiert. Das ist der Grund, warum ich immer gerne hierher zurückkomme.

 


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