Japanischer Generalkonsul besucht das LSI

 

Manga und Anime – für viele Japan-Fans beginnt mit dieser Leidenschaft eine lange und spannende Entdeckungsreise in die japanische Sprache und Kultur. Diesen Eindruck bestätigt der neue Generalkonsul Japans in Düsseldorf Iwama Kiminori, der zuvor als Gesandter an der japanischen Botschaft in Berlin viel über die Motivation der Teilnehmer*innen der jährlich stattfindenden japanischen Redewettbewerbe erfahren hat. Doch es gibt auch andere gute Gründe, sich intensiv mit Japan zu beschäftigen und sich auf das Lernen der japanischen Sprache einzulassen. Seine Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer auf diesem Weg zu begleiten, ist seit mittlerweile fast 40 Jahren Anliegen des LSI-Japonicums. Einen persönlichen Eindruck von der Arbeit des LSI konnte sich Generalkonsul Iwama bei seinem Besuch in Bochum am vergangenen Freitag machen. Nach herzlicher Begrüßung durch Dr. Klaus Waschik, dem geschäftsführenden Direktor des LSI, und Christoph Schlüter, dem kommissarischen Leiter des LSI-Japonicums nahm der Generalkonsul an einem Japanisch-Kurs teil und informierte sich ausführlich über aktuelle Entwicklungen rund um das Thema E-Learning im Fremdsprachenunterricht sowie die neuen Online-Kursangebote des LSI. Im Anschluss hatten wir die Gelegenheit zu einem kurzen Interview.

Herr Generalkonsul, Japanisch gilt, nicht nur in Deutschland, als schwer zu erlernende Sprache. Sie selbst haben Deutsch als Fremdsprache gelernt. Gab es dabei aus Ihrer Sicht besondere Herausforderungen?

Für mich als japanischen Deutschlerner war es nicht leicht, die Deklination zu beherrschen. Darüber hinaus fand und finde ich es schwierig, meinen aktiven Wortschatz zu erweitern. Hören und lesen fällt mir nicht schwer, aber das aktive Sprechen ist eine Herausforderung.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Japanischlernende?

Das sind höchstwahrscheinlich die chinesischen Kanji-Schriftzeichen im Japanischen. Unterschätzen sollte man auch nicht die japanischen Partikeln, also kleine Bestandteile des Wortschatzes wie „wa“, „o“ oder „ni“, die aber sehr wichtig sind für die Bestimmung, wer z. B. wie an einer Handlung beteiligt ist.

Deutschen Beobachtern erscheint es oft so, dass die japanische Kultur stark von Höflichkeitsregeln geprägt ist, die von Nicht-Japanern erst nach und nach erlernt werden können. Auch die deutsche Kultur hat Eigenarten, deren genauer Sinn sich für Außenstehende nicht auf Anhieb erschließt. Wie bedeutsam ist Ihrer Meinung nach interkulturelles Training als Bestandteil eines erfolgreichen Sprachunterrichts?

Das ist eine gute und zugleich schwierige Frage. Je intensiver man eine Sprache lernt, desto mehr hat man das Gefühl, dass die Vertiefung der Sprachkenntnisse besser gelingt, wenn eine Vertiefung der Kenntnisse der Kultur und Gesellschaft eines Landes damit einhergeht. Sie haben die Höflichkeitsregeln der japanischen Sprache als Hürde für den Spracherwerb erwähnt. Dies gilt umgekehrt auch für uns Japaner, wenn wir Deutsch lernen. Auf welche Weise man etwas ausdrücken muss, damit es als gehobene Sprache betrachtet wird, oder ob ein Satz abhängig vom Beziehungsverhältnis auch zu höflich formuliert sein könnte, darüber denke ich oft nach. Um eine Kultur zu verstehen, müssen gesellschaftliche Beziehungen verstanden werden, und diese drücken sich oft in der Sprache aus. Deshalb bin ich der Meinung, dass Kultur und Sprache eng zusammenhängen.

Neben dem klassischen Sprachunterricht in Präsenzform spielt E-Learning in der Fremdsprachenausbildung eine zunehmend wichtige Rolle. Japan gilt als technikbegeisterte Nation. Welchen Stellenwert hat E-Learning im Unterricht an japanische Schulen und Hochschulen?

Obwohl ich keine präzisen Statistiken habe, kann ich feststellen, dass die Verbreitung von E-Learning durch die Corona-Krise stark zugenommen hat. Wie in Deutschland wird auch in Japan der Unterricht jetzt häufig online durchgeführt. Trotz Technikbegeisterung ist E-Learning in Japan noch nicht so weit verbreitet, wie man es vielleicht erwarten würde. Man sollte aber zwischen Schulen und Universitäten differenzieren. Ich vermute, dass sich E-Learning an Universitäten nach der Krise weitgehend etabliert haben wird, während es an Schulen vielleicht noch etwas länger dauern könnte.

Eine wichtige Motivation, die Sprache eines anderen Landes zu lernen, sind Kooperationen in den Bereichen Wirtschaft einerseits und Hochschulen bzw. Forschung andererseits. Die Stadt Bochum unterhält eine Städtepartnerschaft mit der japanischen Stadt Tsukuba, bei der insbesondere der Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft im Fokus steht. Wie wichtig sind solche Kooperationen auf regionaler und lokaler Ebene?

Sehr wichtig. In vielerlei Hinsicht ist die Städtepartnerschaft zwischen Tsukuba und Bochum etwas Besonderes. Beide Städte haben Gemeinsamkeiten, ich denke da vor allem an die harmonische Beziehung zwischen Forschung und Wirtschaft hier wie dort. Wir unterstützen jede Zusammenarbeit zwischen beiden Städten, weil dies der Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses dient. Kurz gesagt, die Zusammenarbeit auf lokaler Ebene ist ganz außerordentlich wichtig für die bilateralen Beziehungen zwischen Japan und Deutschland.

Unabhängig vom praktischen Nutzen für Studium und Beruf stellen wir häufig eine besondere Motivation unserer Teilnehmer*innen fest, sich mit der Sprache und Kultur Japans zu beschäftigen: Die Begeisterung für popkulturelle Themen wie Musik bzw. Anime und Manga. Wie nehmen Sie dieses Phänomen war? Mögen Sie Comics?

Ja, gerne! Ich war bis zum Sommer 2018 Gesandter in der Botschaft in Berlin und dort zuständig für Austauschprogramme zwischen Japan und Deutschland. Wir haben auch Redewettbewerbe organisiert, bei denen wir die Teilnehmenden gefragt haben, warum sie sich für die japanische Sprache interessieren. Die meisten, ich würde schätzen über 70%, bezeichneten sich als Fans von Anime und Manga. Meine Kollegen vom japanischen Kulturinstitut haben dazu eine interessante Infoseite gemacht: Japanese in Anime & Manga. Die enge Beziehung zwischen Kultur und Sprache hatte ich schon erwähnt. Besonders in der Popkultur ist das sehr ausgeprägt. So erklärt sich, dass für viele Japanischlernende die Begeisterung für diese Themen den ersten Schritt in die japanische Kultur und Sprache darstellt.