Workshop für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Ukrainisch und Russisch - welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zwischen diesen beiden Sprachen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Deutschunterricht für Geflüchtete aus der Ukraine? Darum ging es diese Woche im Workshop für Deutsch-Lehrkräfte des Vereins Flüchtlingshilfe Sprockhövel in Zusammenarbeit mit dem Landesspracheninstitut. 

Dr. Leo Weschmann und Dr. Oxana Swirgun vom Russicum des LSI boten einen spannenden Überblick über die Entwicklung der beiden ostslawischen Sprachen und ihrer gemeinsamen Wurzeln. Sowohl Ukrainisch als auch Russisch verwenden, mit leichten Unterschieden im Schriftbild, das kyrillische Alphabet. Neben einem großen gemeinsamen Wortschatz gibt es aber auch deutliche Unterschiede, vor allem in der Aussprache. Das Ukrainische mit seinem weicheren Klangbild ist dabei erkennbar von westslawischen Sprachen wie dem Polnischen oder auch dem Jiddischen, der Sprache der europäischen Juden, beeinflusst. Dabei ist es, trotz der engen sprachlichen Verwandtschaft, kein Dialekt des Russischen, sondern muss als eigenständige Sprache verstanden werden. Erwachsene Ukrainer*innen beherrschen in der überwiegenden Mehrzahl beide Sprachen. Oft wird das Russische, insbesondere von Menschen aus der Ost-Ukraine, sogar als Muttersprache genannt.

Als Folge des Krieges sind mittlerweile Millionen von Menschen aus der Ukraine geflüchtet. Deutschland hat nach offiziellen Angaben mehr als 600.000 Geflüchtete aufgenommen. Für die Fortsetzung eines Studiums, die Aufnahme einer Arbeit oder auch zur Bewältigung des Alltags in Deutschland sind Deutschkurse, wie sie unter anderem von der Flüchtlingshilfe Sprockhövel angeboten werden, eine wichtige Hilfestellung für die Geflüchteten. Die Lehrkräfte für den Deutschunterricht sehen sich dabei mit Herausforderungen und Problemen konfrontiert, deren Ursache in der Grammatik und Phonetik der Ausgangssprachen Ukrainisch bzw. Russisch liegen. Im zweiten Teil Ihres Vortrages zeigten Dr. Weschmann und Dr. Swirgun anhand einer Vielzahl von Beispielen, welche sprachlichen Muster Deutschlernende mit ukrainischem bzw. russischem Hintergrund intuitiv auf das Deutsche anwenden und mit welchen Missverständnissen im Unterricht zwangsläufig gerechnet werden muss - für die teilnehmenden Deutsch-Lehrkräfte eine wichtige Hilfestellung. 

Spannend und unterhaltsam zugleich war auch der vorgestellte Überblick über „Germanismen“, Lehnwörter aus dem Deutschen, die es sowohl im Ukrainischen als auch im Russischen gibt. So bezeichnet das russische шланг, phonetisch in etwa „Schlang“, einen handelsüblichen Gartenschlauch. Auch die Herkunft des ukrainischen цибуля - tsybulya (Zwiebel) oder des метелик - metelyk (Schmetterling) konnten die Teilnehmenden leicht erraten.

Der Bedarf nach sprachlichem Hintergrundwissen und Sprachkompetenz, soviel lässt sich abschließend sagen, wird im Kontext der Arbeit mit Geflüchteten aus der Ukraine so schnell nicht nachlassen. Wer sich selbst für Geflüchtete engagieren oder sich über das Thema informieren möchte, findet dazu zahlreiche Informationen auf der Webseite der Flüchtlingshilfe Sprockhövel.

Für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die bereits in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, bietet das LSI das ab sofort den dreitägen Intensivkurs Einstieg Russisch für die Arbeit mit Flüchtlingen an.