Hatice Isikli (Arabisch 4 online)

Hatice Isikli ist Kinderärztin. Sie lebt und arbeitet im schottischen Lanarkshire. Am LSI lernt sie Arabisch berufsbegleitend im Online-Abendkurs.

Frau Isikli, was hat Sie zur arabischen Sprache geführt und wie sind Sie dabei dem LSI begegnet?

Den ersten Kontakt zur arabischen Sprache hatte ich vor etwa neun Jahren in einem Präsenzkurs. Meine Familie kommt ursprünglich aus der Türkei, aus einer Region im Süden, in der zumindest die Älteren noch relativ viel Arabisch sprechen. Meine Mutter ist zweisprachig mit Arabisch und Türkisch aufgewachsen. Schon in ihrer Generation und erst recht in meiner hat das stark nachgelassen. Meine Mutter hat das Arabische im späteren Verlauf ihres Lebens weitgehend verlernt und beherrscht es nun überwiegend passiv. Aus diesem familiären Hintergrund heraus hat es bei mir aber immer eine Neugier auf die arabische Sprache und Kultur gegeben. Da ich mich sowieso für Sprachen interessiere, habe ich damals einen Arabischkurs gemacht.

Das war ein Präsenzkurs am LSI in Bochum?

Genau. Das Schwierige war nur, dass ich als Ärztin noch in der Weiterbildung mit vielen Nacht- und Wochenenddiensten war und zu der Zeit bereits in Schottland gelebt habe. Deshalb konnte ich den Unterricht nach Arabisch 1 nicht mehr fortsetzen und über die Jahre ist vieles wieder in Vergessenheit geraten. Als 2020 die Pandemie losbrach, war es auch hier in Schottland so, dass man in der Freizeit kaum noch irgendwo hingehen oder etwas unternehmen konnte. Deshalb war ich sehr interessiert, als ich mitbekam, dass das LSI auf Onlineunterricht umgestellt hat. Das Abendkursformat passt gut für mich, weil ich es mit meinem Beruf verbinden kann. 

Lässt sich Arabisch online genauso gut lernen wie im Präsenzkurs oder gibt es Einschränkungen?

Vorab war ich etwas skeptisch, weil ich wusste, dass das Arabicum sehr interaktiv arbeitet. Ich war mir nicht sicher, ob man das erfolgreich in ein Onlineformat bringen kann. Es hat aber von Anfang an gut geklappt – und das obwohl meine Kursgruppe im Mai 2020 so etwas wie ein „Pilotprojekt“ war. Mit der Technik gab es eigentlich nie Probleme. Die Gruppengröße war so gewählt, dass man gut miteinander arbeiten konnte. Das Unterrichtskonzept wurde nicht einfach 1:1 übertragen, sondern auf die neuen Gegebenheiten angepasst. Die Erfahrung mit Arabisch 1 Online hat mich insgesamt so überzeugt, dass ich mich auch für die Kurse 2–4 angemeldet habe. Dadurch konnte ich Arabisch bis zum B1-Niveau praktisch „am Stück“ lernen, was dem ganzen Prozess sehr geholfen hat.

Eine Menge Unterrichtsstoff. Sie haben alle vier Kurse innerhalb von nur etwas mehr als einem Jahr gemacht.

Ja, und ab der Aufbaustufe wurde es auch zunehmend schwierig. Das lag an der ziemlich steilen Lernprogression und an der zunehmende Stoffdichte. Gemeinsam mit anderen Kursteilnehmern habe ich dann angefangen, den Unterrichtsstoff in einer privaten Runde nachzuarbeiten – natürlich ebenfalls online. Das war in mehrerer Hinsicht eine gute Idee, weil beim Onlineformat der soziale Aspekt leider immer etwas zu kurz kommt. Im Präsenzkurs geht man in der Pause mal einen Kaffee trinke oder lernt morgens beim Frühstück die Kursteilnehmer der anderen Sprachen kennen. Wir haben das ganz offen mit den Lehrerinnen angesprochen und deshalb während Arabisch 4 auch einige Treffen außerhalb der Kurszeiten gehabt, so dass dieser Nachteil bis zu einem gewissen Punkt kompensiert wurde. Vom reinen Lernen her ist der digitale Unterricht aber gleichwertig. Unterm Strich kann ich sagen: Arabisch online lernen war ein Erfolg und ist definitiv ein Format, dass ich wieder wählen würde.

Wie sah eine typische Kurswoche für Sie aus?

Wir hatten immer montags und donnerstags Live-Unterricht über Zoom. Die Hausaufgaben habe ich mit meistens auf Dienstag- und Mittwochabend gelegt. Ich habe sehr viel mit der Lernplattform LSI.online gearbeitet, Vokalbeltraining, Grammtikübungen, Lückentexte, was immer gerade in den Lektionen vorhanden war. Am Wochenende habe ich häufig weitere Hausaufgaben gemacht. In Kombination mit einem Vollzeitjob durchaus anspruchsvoll, hat aber insgesamt gut geklappt.

Es gibt die Lehrkraft, die im Live-Unterricht etwas erklärt, dann die Eigenarbeit mit der Lernplattform und dem Lehrbuch, und natürlich den kommunikativen Aspekt, also das miteinander Sprechen und Üben in der Lerngruppe. Waren diese drei Aspekte in einem guten Gleichgewicht?

Ich finde schon. Es hat im Live-Unterricht immer wieder Breakout-Rooms gegeben, bei denen wir zu zweit oder zu dritt Sprechübungen gemacht haben. Es gab viele Gelegenheiten aktiv zu sprechen. Natürlich kann man beim Erlernen einer Fremdsprache nie genug üben, da geht es dann irgendwann für jeden Einzelnen auch darum Wege zu finden, das Gelernte außerhalb des Kurses anzuwenden. Im Krankenhaus habe ich einen Kollegen, der aus Ägypten kommt. Dem habe ich erzählt, dass ich das letzte Jahr über Arabisch gelernt habe und gerne etwas üben würde. Er müsste allerdings Hocharabisch sprechen, keinen Dialekt! Er hat sich gefreut und unsere Unterhaltungen auf Arabisch funktionieren mittlerweile schon ganz gut.

Die arabische Sprache hat gerade in der Medizin eine gewisse Tradition. Begegnet Ihnen das manchmal in Ihrem Beruf?

Sprachlich schlägt das hier und da durch, ja. Zum Beispiel in dem Wort nadir, „selten“. Wenn man einen Patienten mit Chemotherapie behandelt, dann ist das Nadir der Punkt, an dem die weißen Blutzellen auf einen absoluten Tiefpunkt sinken. Das ist wichtig, weil der Patient in diesem Stadium besonders gefährdet ist, eine Infektion zu bekommen. Diese Vokabel konnte ich mir als Medizinerin leicht merken.

Welche Anwendungsbereiche sehen Sie für Ihr Arabisch außerdem? Haben Sie Verwandte in der Türkei, mit denen Sie jetzt auch Arabisch reden können?

Das wird eher schwierig, weil da natürlich Dialekt gesprochen wird. Ein Dialekt, der sich außerdem immer stärker mit dem Türkischen mischt. Ein Ziel ist aber auf jeden Fall das Reisen. Ich war noch nie in einem arabischen Land. Jordanien, um ein Beispiel zu nennen, würde mich sehr reizen – sobald Reisen wieder möglich und sicher ist.

Zum jetzigen Zeitpunkt: Wenn Sie die Arabischkenntnisse auf Ihrem Niveau nicht hätten was würde Ihnen fehlen?

Eine spannende Erfahrung! Ich finde es faszinierend, wie die Araber ihre Sprache von der Grammatik her entwickelt haben, mit den verschiedenen Verbformen und Verbstämmen. Wie man die Wurzel eines Wortes im Arabischen nehmen und davon ausgehend eine fast schon unübersichtliche Zahl von weiteren Vokabeln bilden kann. Das ist etwas, was es so nur sehr begrenzt im Deutschen oder Englischen gibt. Der Gedanke, das nicht gelernt zu haben – das wäre ein Defizit. Mein Sprachverständnis hat sich dadurch auf jeden Fall enorm erweitert.