Netzwerk D – Deutsch-Russisches Konsortium zum Studium der deutschen Sprache und Kultur

Ziele und Zielgruppen

Wer Deutschland verstehen will, muss Deutsch können. So trivial und dennoch zutreffend diese Behauptung erscheint, so komplex gestaltet sich ihre Umsetzung, denn wer Deutschland verstehen will, braucht neben Sprache einiges mehr: zu einer Deutschlandkompetenz gehört auch, aktuelle und historische Realitäten Deutschlands zu kennen, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Technologien in ihrer Vielfalt sehen, soziale und politische Strukturen wie ihre Entwicklungen insgesamt nachvollziehen zu können.

Sprache und Deutschlandkompetenz

Deutschlandkompetenz als differenziertes Wissen und aktives Verstehen Deutschlands in Verbindung mit seiner Sprache in Russland zu entwickeln, stellt das zentrale Ziel unseres Projekts dar. In dieser Weise geht das Vorhaben weit über die reine Sprachvermittlung hinaus; Sprache und ihr landeswissenschaftlicher Kontext sind in unserem Vorhaben auf das engste verbunden. Netzwerk D ist ein Projekt in, mit und für Hochschulen in Russland. Für Studierende des Deutschen, aber auch für dessen Lehrende. Als präsenz- und online-basiertes Vorhaben auf hohem technologischen Niveau fördert Netzwerk D aktiv das Studium der deutschen Sprache und Gegenwart und wirkt so dem Rückgang an Deutsch-Studierenden und deutschen Sprachkenntnissen in Russland entgegen.

Innovationen

Der innovative Charakter des Projekts kommt zunächst in einer neuartigen Kombination von sprach- und themenbezogenen Erwerb von Wissen und Fertigkeiten zum Ausdruck. Netzwerk D steht auch für ein neues Wie des Deutsch-Lernens, das auf dem Konzept hybriden Lernens mit Präsenz- und Online-Anteilen in einer technologisch avancierten Lernumgebung basiert.

Dieses hybride Lernen steht darüber hinaus im Rahmen einer engen deutsch-russischen Kooperation zwischen der Ruhr-Universität Bochum und zehn russischen Universitäten. In Netzwerk D arbeiten Deutsch-Lehrende und Experten aus beiden Ländern online und bei Präsenzveranstaltungen zusammen, tauschen ihre didaktischen Kenntnisse und Technologieansätze aus und unterrichten gemeinsam die Studierenden.

Ein weiteres Innovationsmerkmal liegt im den Faktoren Effektivität und Engagement. Deutsch lässt sich im Netzwerk D schneller, gründlicher, langfristiger, differenzierter, einfacher und vor allem mit mehr Freude erlernen. Zahlreiche Rückmeldungen von Studierenden bestätigen dies.

Partner

An dem Konsortium Netzwerk D beteiligen sich die folgenden Universitäten, die durch ihre entsprechenden Lehrstühle für die deutsche Sprache bzw. Philologie seit Gründung des Konsortiums 2017 vertreten werden:

  • Landesspracheninstitut in der Ruhr-Universität Bochum (LSI)
  • Staatliche Universität Wologda (koordinierende Hochschule)
  • Staatliche Universität Wjatka (Kirow)
  • Staatliche Linguistische Dobroljubow-Universität Nizhnij Nowgorod
  • Nördliche (Arktische) Föderale Lomonossow-Universität (Archangelsk)
  • Staatliche Universität Smolensk
  • Staatliche Universität Twer
  • Staatliche Pädagogische Uschinskij-Universität Jaroslawl
  • Nationale Forschungsuniversität Belgorod (seit 2019)
  • Staatliche Universität Wolgograd (seit 2020)
  • Staatliche Universität Petrozavodsk (seit 2020)
  • Uraler Föderale Boris-Jelzin-Universität Jekaterinburg (seit 2020)

In Zukunft ist eine Ausweitung der Konsortiums bzw. Projekts durch Hochschulen in Nord- und Südrussland bzw. Sibirien geplant. Insgesamt wird eine Anzahl von ca. 18 – 20 Hochschulen als Konsortialmitgliedern angestrebt. Weitere russische Hochschulen können darüber hinaus die Plattform in direkter Absprache mit dem Landesspracheninstitut Bochum nutzen.

Projektgegenstand

Voraussetzungen

Wer Deutschlandkompetenz und deutsche Sprache an russischen Hochschulen attraktiv machen will, muss nicht nur dessen Sinnhaftigkeit und vielen Vorteile deutscher Sprachkenntnisse in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur transparent machen können, sondern grundsätzlich auch neue Inhalte, Formen und Technologien anbieten, die das Lernen informativ, individuell, angenehm und vor allem effektiv machen. Außerdem muss ein passender organisatorischer Rahmen gegeben sein, der dieses Lernen ermöglicht.

Neues Modell

Netzwerk D bietet an seinen 12 Partneruniversitäten ein vollkommen neues Modell dieses Deutschlernens mit Blick auf eine zu erwerbende Deutschlandkompetenz an, in dem sich sowohl neue Inhalte, als auch Formen und Technologien optimal verbunden sind.

Projektbausteine

Wichtigstes Element ist hier der Deutschunterricht bei den Partnern, in dessen Rahmen als basales Lehr- und Lernangebot des Projekts das Personal Learning Environment (PLE) LSI.online Deutsch des Landesspracheninstituts (RUB) eingebettet ist.

Als avancierte Lernplattform verfügt LSI.online Deutsch über 950 Texte mit über 4.500 Übungen zum Lese- und Hörverständnis, zusätzlichen 200 Übungen zur deutschen Grammatik und vielen weiteren lernoptimierenden Funktionen für den individualisierten Spracherwerb. LSI.online Deutsch umfasst über 30 thematische Kurse mit einem Spektrum von Geschichte, Politik, Gesellschaft über Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie bis zu Sprache, Alltag, Kultur, Kunst, Literatur und Geistesleben. Die Kurse der Plattform bilden den fachlichen Kern der zu entwickelnden Deutschlandkompetenz und decken die sprachliche Voraussetzungen auf allen Niveaustufen (A1 – C2 GER) ab. Die Plattform stellt damit die ideale Grundlage für das hybride Deutschlernen und einen parallelen Wissens- und Kenntniserwerb.

Ein zweites essentielles Projektelement sind die in Präsenz durchgeführten Sommer- und Winterschulen, auf denen aktuelle Probleme des heutigen Deutschlands diskutiert werden. In diesem Präsenzformat können Studierende des Netzwerks D die neu erworbenen inhaltlichen und sprachlichen Kenntnisse praktisch erweitern und anwenden.

Ein drittes Projektelement stellen die Fortbildungsmaßnahmen für die russischen Lehrenden dar, mit denen das neue Modell didaktisch wie technologisch implementiert wird und gemeinsame Unterrichtsansätze erörtert werden.

Projektentwicklung

Bildung des Konsortiums

Mit dem Projektstart zum Jahresbeginn 2017 stand als Hauptaufgabe die Gründung eines Konsortiums von interessierten Hochschulen im Mittelpunkt, die durch deren Lehrstuhlinhaber*innen für Deutsch operativ vertreten wurden. Auf der ersten Projektsitzung konnte im Februar 2017 in Wologda eine Gruppe von sieben Hochschulen gebildet werden, die sich an dem im Sommer 2017 offiziell ins Leben gerufenen Konsortium Netzwerk D beteiligte.

Der ersten technischen Schulungsveranstaltung für die das Vorhaben konkret betreuenden Lehrenden (Juni 2017 in Bochum) folgte im September 2017 an der Linguistischen Universität Nizhnij Nowgorod eine zweite Weiterbildungsveranstaltung zur Didaktik des hybriden Lernens und dem Unterrichtseinsatz von LSI.online Deutsch im Unterricht.

Arbeitsbeginn, Integration der Lernplattform

Mit Beginn des Studienjahrs 2017/18 wurde im September 2017 die Lernplattform in den Deutschunterricht mit insgesamt über 300 Lernenden an sieben Universitäten Russlands integriert.

LSI.online Deutsch ist gegenwärtig in die curricularen Lehrveranstaltungen des 1. – 5. Studienjahrs der Bachelor- bzw. Master- Studiengänge Linguistik, Internationale Beziehungen, Übersetzungswissenschaften (Schwerpunkt Deutsch) bzw. den Lehramtsstudiengang Deutsch aller Konsortialpartner integriert. Die Plattform wird sowohl in der eigenständigen Vorbereitung zu den Lehrveranstaltungen bzw. Erarbeitung lexikalischer oder landeskundlicher Themen als auch im Rahmen des Präsenzunterrichts, z.B. zur Sprachpraxis, Landeskunde oder Sprachtheorie, eingesetzt.

Im Januar 2018 fand an der Ruhr-Universität (LSI Bochum) ein zweiwöchiger, hochintensiver Deutschkurs (100 Unterrichtseinheiten) für 20 Studierende aus den Konsortialuniversitäten (Niveau B1/2) statt, die zuvor bereits mit der Plattform gearbeitet hatten. In dieser Kombination  - Vorbereitung plattformbasiert und aktive Anwendung im Intensivkurs -  konnte erstmal die besondere Effizienz hybriden Lernens aufgezeigt werden, die sich sowohl in einem weit überdurchschnittlichen Lernzuwachs in den Bereichen Wortschatz, Syntax und Morphologie, als auch in der erhöhten Fähigkeit zur aktiven Verwendung des neu Erworbenen in realen Redesituationen manifestierte.

Präsenzveranstaltungen

Zur Erweiterung der online erworbenen thematischen Kenntnisse über Deutschland und sprachlichen Fertigkeiten fanden von 2018 – 2020 drei einwöchige Sommer-bzw. Winterschulen des Konsortiums in Wologda mit insgesamt über 120 russischen Studierenden statt, die den Themen „Das aktuelle Russlandbild in den deutschen Medien“ (September 2018), „Das Deutschlandbild in den russischen Medien“ (Februar 2019) und eine Deutschland-Bilanz „30 Jahre Wiedervereinigung“ (Februar 2020) gewidmet waren.

In den Meisterklassen der Sommer- bzw. Winterschulen, die von deutschen und russischen Lehrenden und Experten (Journalisten, Fachwissenschaftler) durchgeführt wurden, standen Themenbereiche aus der aktuellen deutschen wie russischen Gegenwart im Vordergrund. An einer der Schulen nahmen auch Studierende aus Deutschland teil.

Projektbegleitend und in Präsenzveranstaltungen wurden über 30 Lehrende der Konsortialuniversitäten in der Methodik und Didaktik des hybriden Lehrens und Lernens mit der Plattform LSI.online Deutsch aus- und weitergebildet.

Arbeitsorganisation

Im Zeitraum von 2017 – 2020 fanden fünf Arbeitstreffen des Konsortialrates statt, der aus Vertretern aller teilnehmenden Partnerhochschulen besteht. Bei den Arbeitstreffen wurden v.a. organisatorische und inhaltliche Fragen der gemeinsamen Arbeit besprochen.

Projekterfolge

Als zentraler Erfolg des gesamten Projekts kann zunächst die Quantität der Studierenden und Lehrenden an allen Partnerhochschulen angesehen werden, die mit diesem neuen Modell in den vergangenen drei Jahren Deutsch gelernt oder unterrichtet haben. Dies waren insgesamt über 1.800 Studierende und ca. 40 Lehrende in Russland.

Qualitativ gesehen haben alle diese Studierenden nicht nur ihr aktives wie passives Deutsch nachhaltig verbessert, sondern auch zahlreiche, weiterführende Einblicke in soziokulturelle, mediale, wirtschaftliche, technologische und kulturelle Aspekte gewonnen und sind damit einer breit angelegten Deutschlandkompetenz einen großen Schritt näher gekommen. Einen weiteren enormen Wissens- und Kenntniszuwachs in punkto Deutschland konnten die Studierenden auch im direkten Austausch mit den deutschen Referenten der Sommer- und Winterschulen erzielen.

Die bei diesen Veranstaltungen erworbenen Kenntnisse und Eindrücke fanden ihren Niederschlag auch in den Lern- und Studienleistungen. Neben den faktisch nachweisbaren Erfolgen und Lernleistungen, die in der Summe zu einem besseren Verständnis für Deutschland, seine Sprache und Menschen geführt hat, sind auch die persönlichen Einschätzungen der Studierenden zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang kann das folgende Feedback der Studierenden aus unterschiedlichen Studienjahren der Partneruniversitäten als repräsentativ für die Akzeptanz des Projekts bei der wichtigsten Zielgruppe, den Studierenden, gelten.

Ein weiterer besonderer Erfolg lag in der Weiterqualifizierung der russischen Deutsch-Lehrenden, die sich auf diesem Weg neue Horizonte im technologiebasierten, hybriden Deutsch-Unterricht erschließen konnten sowie in dem Begleitumstand, über 40 russische Deutsch-Lehrende aus unterschiedlichen Universitäten Russlands zu einem Netzwerk zusammenzuschließen und auch auf dieser Ebene neben fachlicher Unterstützung und Weiterbildung auch Raum für den Austausch kreativer Ideen für den Deutschunterricht an Hochschulen zu schaffen.

Im Mai 2020 fand als virtuelle Präsenzveranstaltung eine Vortragsreihe (ZOOM) zu modernen Unterrichtstechnologien und -instrumenten statt; eine weitere Reihe richtete sich an Studierende der Konsortialpartner mit Vortragsthemen zur deutschen Sprache, Stilistik, Landeskunde und Kultur, an denen regelmäßig über 80 Studierende teilgenommen haben.

Abschließend ist festzuhalten, dass mit dem organisatorisch, technologisch wie inhaltlich innovativen Projekt Netzwerk D ein wirksamer Beitrag zur Förderung der deutschen Sprache und der Kenntnisse über Deutschland in Russland, zur Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Universitäten und somit zu einem besseren gegenseitigen Verständnis geleistet wurde.